Bremer Malerin verrät 5 Tipps, wie jeder Zeichnen lernen kann

Fluchtlinien, Schraffierung, Proportion: So lernt jeder Bremer zeichnen

Bild: dpa | imagebroker/Oleksandr Latkun

Mit Bleistift scheint aller Anfang schwer. Kinoplakat-Malerin Katrin Wulfers erklärt, wie auch der erste Versuch gelingt – und warum man anfangs auf dem Kopf zeichnen sollte.

1 Mutig sein und Fehler zulassen

Wulfers rät, sich vor dem ersten Strich den nötigen Mut zuzusprechen – und sich keine Gedanken darüber zu machen, wie das Ergebnis ausfallen mag: "Man sollte sich sagen: Okay, ich mache jetzt die ersten Schritte und es muss nicht perfekt werden." Vor allem aber sollte man nett zu sich sein und sich auch Fehler erlauben. "Niemand konnte sofort aufstehen und laufen, das musste man auch erst einmal lernen", betont die Malerin.

Ich bin der Meinung, dass jeder Zeichnen lernen kann.

Bremer Kinoplakatmalerin Katrin Wulfers

2 Bleistift, Radiergummi und Kopierpapier nutzen

Für den Start sollte man einen nicht allzu harten Bleistift nehmen. Unterschieden werden die Härtegrade mit vier Abkürzungen: "B" bezeichnet weiche Bleistifte, "HB" mittelharte, "H" harte und "F" feste Stifte. "Ein B- oder HB-Bleistift eignet sich anfangs am besten", sagt Wulfers.

Auch ein Anspitzer und ein Radiergummi sollten bereitliegen. "Für den Fall, dass man sich vermalt, was vollkommen erlaubt ist", betont die Bremerin.

Das Papier sollte hingegen weiß und schlicht sein. "Kopierpapier reicht vollkommen aus." Sich spezielles dickes Papier anzuschaffen, sei nicht nötig. "Das ist meist strukturiert, was dann in die Zeichnung übergehen kann – wenn auch fast unmerklich", sagt Wulfers. "Aber wenn das gewollt ist, ist es natürlich auch okay."

Ebenso sollte das Papier weder kariert noch liniert sein. "Man könnte meinen, dass man sich mit Linien besser orientieren kann. Aber wenn man nach Vorlage zeichnet, stören Linien und Karos viel eher", erklärt Wulfers.

3 Zeit und Geduld mitbringen

Wichtig ist es, seine ersten Versuche ohne Zeitdruck oder mit Blick auf die Uhr anzugehen, sagt Wulfers: "Wenn man eine Zeichnung zu Ende bringen möchte, muss man sich die nötige Zeit nehmen." Und das unabhängig davon, wie lange die Arbeit dauert. Das Smartphone und allgemein alle elektronischen Geräte, die ablenken könnten, sollten zudem abgeschaltet sein. "Man sollte auf jeden Fall ungestört sein."

4 Eine Vorlage nachzeichnen

Gemaltes Filmplakat zu "The Danish Girl" zeigt zwei Frauenköpfe
Auch zu dem US-amerikanischen Film "The Danish Girl" zeichnete Wulfers ein Kinoplakat für die Schauburg. Bild: Katrin Wulfers

Bei den ersten Versuchen sollte man sich kein Stillleben vornehmen, sondern eine Vorlage abzeichnen. Denn: "Wenn man ungeübt ist im Zeichnen, weiß man noch nicht, wie man ein 3D-Objekt angucken muss", sagt Wulfers.

Die meisten Anfänger neigten nämlich dazu, sich das Motiv – etwa einen Apfel oder eine Vase – mal von links, mal von rechts anzuschauen. Doch das sei kontraproduktiv, sagt die Malerin: "Dadurch verändert sich der Blickwinkel, obwohl man ja ein stehendes Objekt zeichnet."

Als passende 2D-Vorlagen böten sich dafür vor allem Strichzeichnungen an. Aber auch Schwarz-Weiß-Fotografien seien für den Anfang gut geeignet.

5 Die Motive verkehrt herum abzeichnen

Eine Strichzeichnung zeigt einen Mann und eine Frau, die Hand in Hand mit einem Mädchen spazieren gehen-
Für die ersten Versuche empfiehlt Wulfers schwarz-weiße Strichzeichnungen, die verkehrt herum nachgezeichnet werden. Bild: dpa | Zoonar | Christian Horz

Auch wenn es merkwürdig klingen mag, aber die ersten Vorlagen sollte man verkehrt herum abzeichnen. "Bei meinen Kursen habe ich festgestellt, dass das wirklich was bringt", sagt Wulfers. Die Methode gehe auf die US-amerikanische Kunstlehrerin Betty Edwards und ihr Standardwerk "Garantiert zeichnen lernen" zurück. Der Vorteil beim Kopfüber-Zeichnen sei, dass die rationale Hirnhälfte – bei Rechtshändern die linke, bei Linkshändern die rechte – ausgeschaltet werde.

An das Zeichnen gehe man dadurch nicht mehr mit den vorgefertigten Sehgewohnheiten, sondern unvoreingenommen heran. "Man zeichnet dann wirklich nur das, was man sieht, weil man es im besten Fall überhaupt nicht einordnen kann", erklärt Wulfers. Mehr noch: Die Malerin empfiehlt, die Vorlage teilweise abzudecken, sodass das Motiv im Ganzen nicht mehr zu erkennen sei. Danach widme man sich Stück für Stück den erkennbaren Strichen und Kontrasten. "Und das wird dann garantiert was", betont Wulfers.

Die meisten wundern sich, was sie mit der Methode zu Papier bringen.

Bremer Kinoplakatmalerin Katrin Wulfers

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Bild: Radio Bremen

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Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 1. April 2025, 19:30 Uhr