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In der Arktis gibt es so wenig Meereis wie noch nie

Ein Eisbär geht von einer Eisscholle ins Wasser.
Bild: Alfred-Wegener-Institut | Mario Hoppmann

Wissenschaftler aus dem Land Bremen haben eine Negativrekord gemessen. Schuld am Rückgang des Meereises sind danach hohe Temperaturen und Bewegung des arktischen Eises.

Die winterliche Wachstumsperiode des arktischen Meereises im Nordpolarmeer endet mit einem Negativrekord: Nie zuvor haben Wissenschaftler so wenig Meereis gemessen.

Wie groß ist der Rückgang?

Am 21. März haben die Forscher nur 14,45 Millionen Quadratkilometer Meereis gesichtet. Das sind mehr als eine Million Quadratkilometer weniger als im langjährigen Mittel. Das entspricht ungefähr einem Verlust der Fläche von Deutschland und Frankreich zusammen. Das Meereis im Nordpolarmeer folgt einem jahreszeitlichen Zyklus und erreicht im Februar und März jeden Jahres seine maximale winterliche Ausdehnung.

Mittlere Meereisausdehnung in der Arktis im März

Das Bild zeigt eine Grafik mit Messwerten.
Bild: Alfred-Wegener-Institut

Wie haben die Forscher das festgestellt?

Die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und der Universität Bremen werten Satellitenbilder aus.

Was sind die Ursachen für den starken Rückgang?

Eine offensichtliche Ursache für das wenige Meereis sind die hohen Lufttemperaturen in der Arktis, sagt Thomas Krumpen, Meereisphysiker am AWI. Es sei beispielsweise im März in weiten Teilen nur noch -10 Grad Celsius kalt gewesen und damit bis zu 9 Grad wärmer als im Mittel der Jahre 1981 bis 2010. Im Februar habe die Temperatur in einigen Regionen sogar bis zu 16 Grad über den früheren Durchschnittswerten gelegen. 

Die geringe Meereisausdehnung im März lässt sich laut AWI allerdings größtenteils durch die Eisdrift erklären: Satellitendaten aus dem Zeitraum von Oktober 2024 bis März 2025 zeigen, dass durch die Lage von Tiefdruckgebieten starke Winde das Meereis von der Küste Russlands weg in Richtung der zentralen Arktis getrieben haben.

Einige unserer Eisbojen, die durch die Arktis driften und per Satellit ihre Daten übertragen, haben im Januar und Februar 2025 zeitweise nur -5 Grad Celsius Temperatur über dem Eis gemessen.

Thomas Krumpen verschränkt die Arme und guckt in die Kamera. Im Hintergrund sind Teile eines Forschungsflugzeugs zu sehen.
Thomas Krumpen, Meereisphysiker am Alfred-Wegener-Institut
Die Polarstern fährt durch schwindendes arktisches Meereis.
In den letzten vierzig Jahren ist die meereisbedeckte Fläche im Winter etwa 2,5 Prozent pro Dekade zurückgegangen. Bild: AWI | Steffen Graupner

Was befürchten die Forscher? Wie wird es weitergehen?

Die Forscher haben sich die Entwicklung des Eises in den ersten drei Monaten des Jahres angesehen. Dadurch können sie zumindest vorsichtig einschätzen, wie sich die Situation in der Arktis in den kommenden Monaten entwickeln wird. "Einige Hinweise sprechen für eine geringe sommerliche Meereisausdehnung", sagt Krumpen. Die Forscher haben beobachtet, dass überdurchschnittlich viel altes und dickes Meereis die Arktis durch die Framstraße verlassen hat, vermutlich ausgelöst durch ungewöhnliche Driftkonstellationen in den vergangenen Jahren. Und wenn altes Meereis fehlt, nimmt die Widerstandsfähigkeit des verbleibenden Meereises während der Sommermonate erheblich ab.

Allerdings könnten Wetter- und Ozeanbedingungen bis dahin noch stark dazu beitragen, dass sich das Schmelzen verzögert oder regional stark unterschiedlich ausfällt. "An der lang anhaltenden Abnahme des Meereises ändert dies jedoch nichts", sagt Krumpen. Laut AWI ist die meereisbedeckte Fläche im Winter in den letzten 40 Jahren etwa 2,5 Prozent pro Dekade zurückgegangen und belegt damit den lang anhaltenden Einfluss des Klimawandels auf das arktische Meereis.

Rückblick: Wie eine AWI-Forscherin die Ergebnisse der Weltklimakonferenz bewertet

Bild: Radio Bremen

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Autorin

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. April 2025, 19.30 Uhr