Kommentar
Aprilscherze? Ja, aber in den Medien mit großer Vorsicht!

Lustige Falschmeldungen gehören oft zur Tradition. Online-Redaktionsleiter Thorsten Reinhold findet, in Zeiten von Desinformation kann das schnell nach hinten losgehen.
Seit Jahrhunderten schicken sich Menschen in den April. Auch Medien, Behörden und Unternehmen mischen beim vermeintlichen Spaßfeuerwerk mit. Das kann lustig sein – aber auch problematisch.
Ein Radiosender scherzte mal, alte Führerscheine seien sofort ungültig. Wer ohne neuen EU-Führerschein erwischt werde, müsse zahlen. Die Folge? Verunsicherte Bürger, genervte Behörden und blockierte Notrufleitungen. Da hört der Spaß auf. Als die BBC in den 1980er Jahren verkündete, der Big Ben werde auf Digitalanzeige umgestellt, war es selbst den humorvollen Briten zu viel. Sie reagierten empört auf den Eingriff in ihr Wahrzeichen. Der Sender musste sich wochenlang für den misslungenen Scherz entschuldigen.
Wenn der Scherz zur Fake-News wird
Diese Beispiele zeigen das Dilemma des Aprilscherzes, denn die Grenze zwischen Humor und gezielter Irreführung verwischt. Und da lauert die Gefahr. Ein Gag, der nach hinten losgeht, kann das Vertrauen in die Berichterstattung gefährden. Künstliche Intelligenz erzeugt heute täuschend echte Bilder, Videos und Texte. Desinformation wird im Netz gezielt eingesetzt. Wie sollen Nutzerinnen und Nutzer sicher erkennen, was wahr und was falsch ist?
Ein Scherz, der sich im Netz verselbstständigt und nicht aufgelöst wird, wird dort zur Fake-News. Die Verbreitung von Informationen bei Instagram, Facebook und Co. und die Anonymität der Nutzer machen es schwierig, falsche Inhalte zu identifizieren und zu kontrollieren. Die Falschinformation ist nicht mehr einzufangen. Deshalb müssen Medien sorgfältig abwägen, ob sie Aprilscherze noch verantworten können.
Spaßtradition bitte beibehalten
Um es deutlich zu sagen: Humor ist wichtig! In der Familie, unter Freunden oder am Arbeitsplatz sind harmlose Scherze völlig in Ordnung. Der Brauch ist schließlich Jahrhunderte alt und in ganz Europa verbreitet. In Deutschland "schickt" man jemanden mit einem Scherz "in den April". In Italien heißt es "Pesce d'Aprile" (April-Fisch), eine Tradition mit wahrscheinlich christlichen Wurzeln. Und in den USA kennt man den "April Fools' Day". Und sich mit einem Scherz und mit einem Schmunzeln mal abzulenken, tut gut.
Die Zeiten haben sich geändert. Die BBC zeigte 1957 eine legendäre Spaghetti-Ernte in der Schweiz. Der Beitrag gilt als Mutter der TV-Scherze. Der WDR behauptete, Jogger dürften in Parks nicht schneller als 10 Kilometer pro Stunde laufen, um Eichhörnchen nicht zu stören. Und die Wirtschaftsförderung Bremen ließ jetzt Touristen glauben, sie müssten bald für Fotos mit den Stadtmusikanten zahlen. Diese Art von Scherzen? Super! Noch zeitgemäß? Eher nicht!
Quelle: buten un binnen.
Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 01. April 2025, 19:30 Uhr