Interview

BLG-Chef erwartet "Rückgang an Beschäftigung" wegen neuer US-Zölle

Neue US-Zölle: Was heißt das für Bremen?

Bild: Radio Bremen

Das angekündigte Zollpaket könnte Bremen mit Wucht treffen. Matthias Magnor rechnet mit massiven Auswirkungen. Die Häfen-Umschlagsmenge sei stark abhängig vom US-Geschäft.

Was bedeuten die neuen US-Zölle für Ihr Unternehmen?

Ganz genau können wir das auch noch nicht absehen, aber wir wissen, dass wir etwa 30 Prozent Exportanteil und 30 Prozent Importanteil haben, mit einem Bezug zum US-Markt. In Summe schlagen wir ungefähr 1,5 Millionen Fahrzeuge in Bremerhaven um und je nachdem, wie man rechnet, müssen wir davon ausgehen, dass die Volumina um circa 15 Prozent zurückgehen könnten.

Wie gehen Sie mit dem Szenario um? Welche wirtschaftlichen Entscheidungen könnten Ihrerseits getroffen werden?

Wir erwarten natürlich sinkende Umsätze, sinkende Gewinne und damit natürlich auch einen Rückgang der Beschäftigung. Das heißt, wir simulieren im Moment, welche Rückgänge eigentlich welche Konsequenzen auf uns haben könnten. Wir bereiten uns sozusagen mental darauf vor. Viel mehr können wir im Moment nicht machen. Außerdem gibt es immer noch Reaktionen, die sozusagen in der zweiten oder dritten Ableitung passieren können. Es kann also durchaus sein, dass es Rückstaueffekte gibt, dass Fahrzeuge, die eigentlich für den US-amerikanischen Markt vorgesehen waren, zurückgehalten werden. Das könnte dann wieder ein Gegeneffekt sein. Das können wir im Moment aber noch nicht valide abschätzen.

Gibt es eine Reaktion seitens der deutschen oder europäischen Politik, die sie sich wünschen?

Ja, Ursula von der Leyen und die Kommission haben ja schon angekündigt mit einer starken Reaktion zurückkommen zu wollen. Im Moment ist noch nicht klar, wie diese starke Reaktion aussehen kann. Ich glaube, es ist wichtig, an den Verhandlungstisch zu kommen – und zwar auf Augenhöhe. Europa darf sich nicht kleiner machen als wir tatsächlich sind. Wir sind eine erhebliche Wirtschaftsmacht und ich glaube, dass wir dieses Gewicht auch in den Verhandlungen in die Waagschale werfen müssen. Wenn das nicht von Erfolg gekrönt sein sollte, dann gehe ich davon aus, dass es Gegenzölle und Gegenmaßnahmen von der EU geben wird.

Eine Zollreaktion würde Sie im Import besonders deutlich treffen. Das ist doch nicht in Ihrem Sinne?

Das wäre tatsächlich so. Wir haben sogar eine schizophrene Situation, dass zwei deutsche Automobilhersteller die größten Autoexporteure aus den USA sind. Das zeigt eigentlich die ganze Verfahrenheit dieser Situation und dass es in einer solchen Zollauseinandersetzung nur Verlierer geben kann.

Das Autoterminal in Bremerhaven ist imposant. Wie sieht das Autoterminal aus heutiger Sicht in drei Monaten aus?

Ich würde mir wünschen, dass das Autoterminal genauso aussieht und dass alle irgendwie zur Räson gekommen sind. Ich hoffe, dass wir das, was sich dort im Moment aufschaukelt, mit einer gewissen Ruhe, Gelassenheit und einer gewissen Contenance auch vernünftig durcharbeiten und wieder zurück auf den Pfad der Tugend finden.

Luftbild vom Autoterminal Bremerhaven
In Bremerhaven betreibt die BLG einen der größten Auto-Umschlagshäfen der Welt Bild: dpa | Ingo Wagner

Was hört man von Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern?

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind natürlich genauso beunruhigt. Wir warten ab, was jetzt tatsächlich passieren wird. Diese Reaktionen in der zweiten und dritten Ableitung können wir im Moment noch gar nicht abschätzen. Wir bleiben ein verlässlicher Partner – sowohl für unsere Kunden, als auch für unsere Mitarbeitenden.

Was macht Ihnen in diesem beginnenden Streit Hoffnung, dass es doch nicht so schlimm werden könnte?

Ich glaube, dass insbesondere die US-amerikanischen Konsumenten die Konsequenzen dieser Politik zu tragen haben. Das heißt: All das, was im Moment passiert, wirkt preistreibend. Donald Trump ist angetreten mit dem Versprechen, die Inflation für seine Wähler in den Griff zu bekommen. Alles, was im Moment passiert, geht genau in die andere Richtung. Ich würde hoffen, dass alsbald die Wähler von Donald Trump aufstehen, merken was gerade passiert und einen entsprechenden Politikwechsel massiv einfordern.

Die Autos, die dort stehen, sind verkauft und werden höchstwahrscheinlich exportiert werden? Oder ist es möglich, dass die Autos auf Ihrem Gelände gar nicht mehr verschifft werden?

Es werden Fahrzeuge zumindest jetzt zurückgehalten. Allerdings haben diese Fahrzeuge eine Spezifikation für einen bestimmten Markt. Da ist dann völlig unklar, ob die umgerüstet würden oder ob die in Zukunft verschickt werden. Gott sei Dank ist die Welt größer als nur die USA. Wir haben eben diese Marktabhängigkeit von etwa 30 Prozent, aber das heißt auch, dass 70 Prozent unserer Aktivitäten nichts mit dem US-amerikanischen Markt zu tun haben. Unsere Reaktion ist natürlich, genau diese anderen Märkte zu stärken.

Also ist es möglich, dass die Autos, die für den US-amerikanischen Markt auf ihrem Terminal stehen, die Reise gar nicht antreten?

Das könnte passieren.

Welche Entwicklung nimmt aus Ihrer Sicht die Weltwirtschaft – auch mit dem Blick auf die letzten 30 Jahre?

Ich glaube, wir haben in den letzten 30 Jahren – auch im Rahmen der Globalisierung – eine Pendelbewegung gesehen. Handelshemmnisse wurden abgebaut und sehr fein verästelte Lieferketten haben sich gebildet in dieser Zeit. Das, was Donald Trump im Moment macht, ist, dass er dieses feinverästelte Konstrukt versucht abzuschneiden und mit der Kettensäge dazwischenzuhauen. Die ganze Globalisierung hat ja auch deswegen stattgefunden, weil sie wohlstandsfördernd gewesen ist. Das heißt: Wenn wir jetzt den Rückwärtsgang als Weltwirtschaft einlegen und den freien Handel unterbinden wollen, dann ist das wohlstandsvernichtend. Das muss allen Akteuren bewusst sein – auf beiden Seiten des Atlantik und weltweit. Die USA sind keine Insel. Auch die USA sind verbunden mit dem Rest der Welt über ganz aktiven Handel.

Alexander Noodt führte das Gespräch. Robert Otto-Moog hat es für butenunbinnen.de aufbereitet.

Autor

  • Alexander Noodt

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 3. April 2025, 19:30 Uhr