Fragen & Antworten
Müll statt Altkleider: Droht im Land Bremen der Container-Abbau?
Immer öfter sind Altkleidercontainer in Bremen und Bremerhaven vollgestopft. Dabei spielt auch Corona eine Rolle. Doch Textilverwerter stehen vor weiteren Problemen.

Welche Schwierigkeiten gibt es aktuell bei der Altkleidersammlung?
Rotes Kreuz, Stadtreinigung Bremen und Textilverwerter bestätigen, dass in der Pandemie mehr Kleidung abgegeben wird. Menschen nutzen offenbar die Zeit, um auszumisten. Zunehmend wird dabei allerdings minderwertige Kleidung entsorgt – und Dinge, die nicht in die Sammlung gehören. Immer mehr Müll landet in den Containern. Das reiche von vollen Windeln, über Blumen bis hin zu Besteck. So berichtet es eine Mitarbeiterin, die beim Unternehmen Textrade in Bremerhaven von Hand sortiert, was Menschen abgeben oder wegwerfen. Gefährlich werde es, wenn Glassplitter darunter seien.
Auch volle Farbeimer hätten die Mitarbeitenden bereits abbekommen, sagt Geschäftsführer Roland Lindner. Sogar an Berichte über einen abgetrennten Wildschweinkopf erinnert er sich. Die Bremer Stadtreinigung stellt ebenfalls fest, dass sich Müll häuft. Allerdings eher vor und neben den rund 300 Containern des Entsorgers.

Was passiert mit ordnungsgemäß abgegebenen Altkleidern?
Das ist unterschiedlich. Einige Verbände wie das Rote Kreuz in Schiffdorf bei Bremerhaven oder in Bremen nutzen die Sachen für eigene Kleiderkammern. Die sind wegen Corona allerdings derzeit geschlossen. Aufsteller, die Container von Textilverwertern leeren lassen, bekommen dafür eine Vergütung. Diese kann in karitative Zwecke fließen. Kleidung, die noch gut ist, verkaufen Textilverwerter weiter, oft in ärmere Länder. Was nicht mehr brauchbar ist, wird zum Beispiel zu Putzlappen recycelt oder entsorgt.
Probleme bereitet den Verwertern, dass unter der zunehmenden Menge auch immer mehr schlechte Kleidung ist, die schnell und billig produziert wurde. Textrade-Chef Lindner bezeichnet das als Katastrophe, denn: "Wir leben von dem Bereich der Bekleidung – also, was weiterhin als Bekleidung verwendbar und dann auch verkaufbar ist." Etwa ein Drittel müsse dieser Teil für die Firma ausmachen, um sich zu rechnen.
Sind in der Region Maßnahmen wie in anderen Städten geplant?
In einigen Städten wurden Altkleidercontainer abgebaut, weil es wegen der Inhalte nicht lohnt und das Müllproblem zu groß wurde. Das ist in Bremen und Bremerhaven derzeit nicht geplant. Doch die Entwicklung zeigt: Volle Container deuten als sichtbares Zeichen auf ein anderes Problem hin. "Spiegel unseres Einkaufsverhaltens" nennt es Textrade-Chef Lindner. Und meint damit überlaufende Kleiderschränke und Wegwerfware. Daraus folgt, dass Maßnahmen bereits bei Verbrauchern beginnen könnten. Zum Beispiel mit der Überlegung beim Shoppen – was brauche und will ich wirklich. Oder leiste ich mir etwas, das dann auch länger hält.
Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 26. Januar 2021, 15:15 Uhr